Meine erste Zündapp

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JoergSprave
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Meine erste Zündapp

Beitragvon JoergSprave » Donnerstag 27. Juli 2017, 00:29

Beitrag von JoergSprave » Donnerstag 27. Juli 2017, 00:29

Ich bin auf dem höchsten Punkt Dortmunds aufgewachsen.

Hört sich abenteuerlich an - für einen Teenager in den 80ern des letzten Jahrhunderts bedeutete das aber so ungefähr das Gegenteil von cool. Der Hintern der Welt. Kein Bus, es sei denn man akzeptiert einen zweistündigen Marsch über die Straße - oder eine Stunde durch das Tal mitten durch den stockfinsteren Wald. Bus hieß dann alle zwei Stunden eine Fahrgelegenheit, den 43er, der letzte ging um 10.

Ich bin am 7. April 1980 15 Jahre alt geworden. Tolle Wurst. Wäre ich 8 Tage früher geboren hätte ich für ein Mofa keinen Lappen gebraucht. So aber musste ich eine Prüfung ablegen. Auf die so ziemlich niemand vorbereitet war. Keine Termine, keine Bögen, nix. Erst sechs Wochen (oder so) nach meinem Geburtstag konnte ich "juckeln" (wie meine Oma das nannte). Hört sich lahm an - für mich bedeute das Mofa Mobilität, Freiheit, Selbstverwirklichung. Die Welt stand mir offen.

Ich erbte das Mofa meines Bruders, der - sorry Michael - ein Weichei war. Ein "Mobylette", sprich ein stark gedrosseltes Moped aus Frankreich. Mit Rutschkupplung. Auf dem höchsten Punkt Dortmunds. Das bedeutete: Mittreten, bergauf. Und das war so ziemlich das peinlichste, was einem als Teenager 1980 widerfahren konnte. Mit Helm auf der Rübe und (Kunst) Lederjacke über dem Panz in die Pedale treten. Hahaha.

Ich hasste diese Franzosenmühle. Was für eine Mistkarre. Ich verabscheute sie mit jeder Faser meines Körpers. So sehr dass ich nachts nicht schlafen konnte, Ich hasste sie mehr als ich heute das Finanzamt hasse, und glaubt mir, ich sage das nicht leichtfertig.

Ich weiß es noch ganz genau als ich meine erste Zündapp zum ersten Mal sah. Ich saß in einer stinklangweiligen Unterrichtsstunde (ich meine es war Physik) und schaute aus dem Fenster, auf den Berg vor der Schule. Da fuhr jemand mit einem Mofa ganz easy, nein, superzügig eine harte Steigung herauf, so steil dass mein schwachbrüstiges Mistschwein wieder mal stehengeblieben wäre. Nicht so die Bergsteiger. Der Kerl schaltete in den zweiten und das Ding zischte ab wie Schmitz Katze. Cool! DIE wollte ich.

Es stellte sich heraus dass dieses Teil zu haben war. Eine (schon damals) alte "Bergsteiger". Mit der komischen Schwinge und diesen runden Formen sah sie schon etwas altmodisch aus gegenüber den seinerzeit topaktuellen ZD 20s und Hercules G3s und so - und diese bizarre Vorderradschwinge - aber mit der richtigen Sitzbank war das "bad ass". Ich war begeistert.

Keine Ahnung wie ich den horrenden Kaufpreis von 150 Mark aufgetrieben habe - aber irgendwie habe ich es hingekriegt. Gut, technisch war das Ding nicht gerade top. Der Krümmer hing nur an einem Bolzen (etwas Draht half) und einer der Stehbolzen am Zylinder war abgerissen - aber KEIN MITTRETEN!

Mein herzloser Vater hat dann dafür gesorgt dass dieser Deal rückabgewickelt wurde. Mir brach damals das Herz. Ich liebte das Ding.

Eigentlich liebe ich es immer noch.

Es gibt zu wenig Bergsteiger in meinem Leben.

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zd10625er
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Re: Meine erste Zündapp

Beitragvon zd10625er » Donnerstag 27. Juli 2017, 19:45

Beitrag von zd10625er » Donnerstag 27. Juli 2017, 19:45

Moin Jörg,

ich bin in einem Tal in der hintersten Ecke des Hunsrücks aufgewachsen - das war mobilitätsmässig bis zum 15. Geburtstag auch nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig ...
Allerdings hatte ich die "Gnade" der früheren Geburt - am 01.04.1980 zählte ich schon 15 Lenze, ( genau genommen16) und so sind wir mit unserer damaligen Clique, ich weiß es noch ganz genau, weil es so ein verdammt wichtiger Termin war, am 26.03.1980 zu fünft beim TÜV aufgeschlagen und haben die damals nur erforderliche theoretische Prüfung abgelegt. Hatten uns vorher ca. 10 Tage die Bögen reingehämmert-Fahrschule brauchte es keine - und dem "Vierer" und der grossen 50er oder 80er stand nix mehr im Weg!

Gruß
Jürgen

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